Zeit zum Lichterlöschen

Nun sind wir nachts wieder mehr unterwegs. Ausserhalb der Stadt, meine ich, vor einer Berghütte zum Beispiel. Die lauen Nächte und der ungetrübte Sternenhimmel fernab von Kunstlicht haben ihren besonderen Zauber.

Und wir Schaffhauser haben noch einen nächtlichen Anziehungspunkt: "Unsere" Glühwürmchen im Waldfriedhof! Offenbar werden die Touristiker bereits wieder angefragt, wann es wieder soweit ist.* Vom Geheimtipp zum Breitensport der Besucher mutiert, hat die Hochzeit dieser geheimnisvollen Insekten inzwischen leider einiges an Magie verloren. Die zahlreichen Lichtpegel der Neugierigen stören nicht nur beträchtlich die Stimmung sondern auch die Insekten. Nach zwei Jahren als Larve (wo jeder Menge Schnecken der Garaus gemacht wurde), sind die Käfer zur Paarung bereit. Eine kurze Zeit noch, wo sie nichts essen und nur eines im Sinn haben: Die liebeshungrigen Männchen suchen den leuchtenden Landeplatz der Weibchen, um sich fortzupflanzen, bevor sie wegsterben. Also stören wir sie bitte nicht mit unseren unnötigen Taschenlampen.

Das Glühwürmchen ist das Schweizer Tier des Jahres 2019. Mit dieser Wahl will Pro Natura auf bedrohte Insekten aufmerksam zu machen. Rund 30'000 Insektenarten sollen noch in der Schweiz leben. Viele von ihnen sind bedroht, durch Pestizide oder Lichtverschmutzung.

So sind wir nicht nur bei der "Glühwürmchen-Pirsch" angesprochen: Gemäss Studien verenden an einem Sommerabend an einer Strassenlampe jede Nacht gegen 150 Insekten. Zu erfassen, wie viele Insekten pro Nacht nur in unserem Land sterben und welche Auswirkungen dies auf Vögel, Fledermäuse bzw. Insektenfresser hat, übersteigt schon ziemlich unsere Vorstellung.

Wenn wir die Notwendigkeit der einzelnen Leuchtmittel prüfen und die Unnötigen ausschalten würden, hätten wir schon einiges für die Natur gemacht. Es hätte zudem positive Auswirkungen auf unseren Stromkonsum sowie auf unsere Gesundheit, wo nächtliche Lichtimmissionen in den Wohnbereich zu Schlafstörungen führen können. Die Nachbarschaft ist auch froh, wenn die Beleuchtungsanlage nebenan ihr nicht gleich ins Schlafgemach leuchtet…

Reduzieren wir also überflüssige nächtliche Lichtquellen. Schaffen wir im Kleinen etwas mehr Naturschutz, Gesundheit und Poesie - und freuen wir uns auf die nächste Sternschnuppe!

*Grün Schaffhausen informiert hierzu auf seiner Webseite

Autor: Patrizia Pellandini