Wer ist schuld an den hohen Preisen?
Zusammenfassung des Interviews zum Thema "Wer ist schuld an den hohen Preisen?":
1. Makler als Preistreiber?
- Nein, sagt Hans Graf. Makler sind nicht verantwortlich für die hohen Preise.
- Die wichtigsten Hauptfaktoren sind:
- Bevölkerungswachstum (v. a. seit Einführung des Personenfreizügigkeitsabkommens 2002)
- Tiefe Zinsen
- Gute wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz
2. Zuwanderung als Preistreiber
- Seit 2002: Wanderungssaldo im Durchschnitt +45’000 Personen pro Jahr, teils deutlich mehr.
- Viele Zugezogene sind gutverdienende Fachkräfte (Ärzte, Architekten etc.).
- Mehr Menschen bedeuten mehr Wohnraumbedarf, bei stagnierendem oder zu langsamem Bauvolumen steigen die Preise.
3. Auswirkungen auf Miet- und Kaufobjekte
- Mietwohnungen: Tiefe Leerstandsquote = knapper Markt, aber Bestandsmieten steigen nur im Rahmen der Teuerung.
- Kaufobjekte: Besonders betroffen durch steigende Nachfrage, Verkäufer fordern oft 10–15 % über dem realistischen Marktwert.
- In beliebten Regionen treiben Bieterverfahren die Preise zusätzlich hoch – teils bis 20 % über Verkehrswert.
4. Einfluss der Zinsen
- Zinsschock 2022: Viele Kaufinteressierte zögerten plötzlich.
- Preise stagnieren seither oder gingen regional sogar zurück.
- Seit einigen Monaten wieder leicht steigende Tendenz.
5. Rolle des Maklers
- Makler haben nicht das Ziel, den Preis künstlich hochzutreiben:
- Keine Verkauf = keine Provision.
- Ein zu hoher Preis macht ein Objekt schnell zum „Ladenhüter“.
- Der Makler hat die Aufgabe:
- Verkehrswert zu ermitteln (durch persönliche Besichtigung, nicht online).
- Realistische Preisempfehlung zu geben.
- Verkäufer ggf. auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen.
- Bei Erbengemeinschaften ist der Makler oft auch Mediator.
6. Einfluss der Banken
- Banken prüfen alle Objekte eigenständig, unabhängig vom Makler.
- Ihre Tools entscheiden mit, ob ein Objekt belehnbar ist.
- Auch wenn Zinsen nicht von den Banken gesteuert werden, beeinflussen sie die Kreditvergabe und damit indirekt die Preise.
7. Fazit von Hans Graf
- Vorsicht bei unrealistischen Preisvorstellungen – auf beiden Seiten.
- Erfahrener, lokaler Makler kennt den Markt, prüft Preise mit Banken ab und sorgt für realistische Preisgestaltung.
- Tipp an Käufer und Verkäufer: Auf dem Boden bleiben und mit Profis arbeiten.
Kernaussage:
Die Hauptursachen für hohe Immobilienpreise liegen in strukturellen Faktoren wie Zuwanderung, tiefer Zinslage und überhöhten Erwartungen der Verkäufer – nicht bei den Maklern.
Autor: Hans Graf