Wieviele Monate möchten Sie gratis…?

Eine neue Seuche geht um: die Gratis-Monate-Seuche bei leerstehenden Mietobjekten. Da werden mehrere Monate gratis versprochen, je länger Sie einen Mietvertrag mit fester Dauer unterschreiben. Da sind wir also offenbar in der realen Schnäppchen-Welt angekommen. Schön, wenn Sie zu den Glücklichen gehören, welche davon profitieren. Aber haben diese Anbieter eigentlich nichts sonst zu bieten? Ist das die einzige Wertschätzung den neuen Bewohnern gegenüber? Was fühlen eigentlich jene Mieter, welche schon länger im Mehrfamilienhaus wohnen und damals nicht in den Genuss eines Rabattes gekommen sind? Wo ist die Wertschätzung denen gegenüber? Oder wie lange hält das Schnäppchengefühl an, wenn Sie in die neue Rabatt-Wohnung eingezogen sind? Einen Monat? Zwei Monate? Oder schon vergessen, bevor Sie eingezogen sind? Schafft es eine gute Nachbarschaft im Haus, wenn einzelne Mieter seit Jahren treu zahlen und neue sich als besonders smarte Verhandler fühlen? Entsteht damit so etwas wie eine Nachbarschaft mit selbstverständlichen Werten?

Ich bin da ziemlich skeptisch. Meine (Lebens-)Erfahrung sagt mir, dass ein Rabatt sehr flüchtig ist und keine nachhaltige Wirkung hat. Bei mir muss das Produkt überzeugen, der Preis mit allen Nebenleistungen und Services und dazu möchte ich als Kunde wertgeschätzt werden. Altmodisch? Vielleicht. Aber ich hätte lieber einen Vermieter, der mir zuhört, wenn etwas in meiner Wohnung nicht funktioniert und dann alles unternimmt, um das zu beheben. Und ich hätte lieber einen Vermieter, der mir auch mal Danke sagt, dass ich die Miete immer korrekt im Voraus bezahle oder der mir zum Geburtstag eine Karte schickt oder zu Weihnachten. Oder der mir meine Miete bei der Reduktion des Richtzinssatzes freiwillig senkt. Als erfahrener Marketingmann weiss ich, dass die Pflege eines langjährigen Stammkunden immer viel günstiger ist, als die Akquise eines neuen Kunden. Vielleicht suchen Sie sich, werte Leser unseres Blogs, Ihren künftigen Vermieter nach solchen Qualitäten aus und nicht nach dem möglichst grossen Rabatt. Nüt für unguet.

Autor: Hans Graf

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