Über die Mobilität

War kürzlich an einem Vortrag in Neuhausen über die Mobilität und was bereits heute möglich ist und was noch auf uns zukommt und so. Hochinteresssant war es, was die Referenten (und eine Referentin) uns da vorgestellt haben.

Aber ich frage mich schon, was es uns eigentlich hier in unserer Region und in der Schweiz bringt, wenn wir immer mehr Fahrzeuge, zB mittels GPS-Steuerung und selbstfahrend, auf unseren Strassen zum Ziel bringen. Ja, zu Stosszeiten wäre der Stress auf den Strassen und in den Bahnen etwas weniger. Aber ist das für uns wirklich gewinnbringend? Ich hätte da ein paar ganz andere Ideen.

Warum müssen eigentlich Grossunternehmen, Banken, Versicherungen und andere ihre Büropaläste in Zürich haben? Zehntausende Mitarbeiter fahren aus allen Richtungen täglich dorthin, um ihre Stunden in einem Büro zu verbringen und danach wieder im Stau nach Hause zu fahren. Tausende machen einen relativ einfachen Job ohne persönliche Kundenkontakte oder persönlichen Austausch mit Kollegen. Einfache Büroarbeit also. Ich bin der festen Meinung, dass im heutigen Zeitalter des Internets ein grosser Teil solcher Arbeiten zu Hause (home-office) oder am Wohnort in einem freien Büro (co-office) gemacht werden könnte. Stellen Sie sich vor, Sie müssten nur noch für Sitzungen oder Erfahrungsaustausch mit Kollegen nach Zürich fahren. Vielleicht 1-2 Mal pro Woche. Das würde ja heissen, dass der Stossverkehr mindestens gleich halbiert wird. Und die Studenten an den Zürcher Unis könnten ja auch erst um neun Uhr beginnen und dafür am Abend eine Stunde länger machen und so wären auch diese Verkehrsteilnehmer gleich nicht mehr so spürbar.

Wenn Sie in Schaffhausen, als Beispiel, im Co-Office arbeiten (ja, das gibt es bereits!) dann treffen Sie dort andere Co-Worker aus anderen Unternehmen und Sparten und müssen gar nicht auf soziale Kontakte verzichten. Diese anderen machen ebenfalls ihren Job vor der Haustüre und Sie werden rasch feststellen, dass Sie jeden Tag mindestens 2 Stunden Freizeit mehr haben. Freie Zeit für die Familie oder für Freunde oder für den Sport - tönt doch wirklich nicht schlecht.

Ausserdem hätte ich da noch eine andere Vision: Wie wäre es, wenn die oben beschriebenen Grossunternehmen anstelle von riesigen Bürokomplexen in Zürich, in fünf peripheren Städten je einen kleineren Komplex betreiben würden? Dann müssten die vielen Pendler nicht mehr durch den Stau in die Grossstadt, sondern könnten zB in Frauenfeld, Aarau oder Luzern, also in der Nähe des Wohnortes, arbeiten gehen.

Zum Schluss wird alles sowieso über's Geld geregelt: immer mehr Kantone und auch der Bund lassen bei den Steuern nur mehr einen kleinen Pendlerabzug zu. Steuerlich wird Pendeln also immer unattraktiver. So wird sich der eine oder andere Pendler bald mal überlegen, ob sich das Pendeln überhaupt noch lohnt: mehr Fahrtzeit zu Lasten Freizeit und weniger Abzüge, bzw. höhere Steuern.

Autor: Hans Graf

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