Trilogie, 2. Teil: Was treibt den (Schaffhauser) Wohnimmobilienmarkt an?
Zinsentwicklung
Die Zinsentwicklung ist, wie wir mittlerweile alle wissen, seit Jahren rückläufig und seit Jahren sehr tief. Der Sinkflug hatte bereits in den Jahren 1991/92 begonnen von knapp 7% bei den variablen Hypotheken auf gegenwärtig noch ca. 2.5%. Bei Fest- und Liborhypotheken gaben die Zinssätze sogar noch mehr nach. Vor allem im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 haben sich die Wachstumsaussichten abrupt verschlechtert. Die Schweizerische Nationalbank hatte dann im Herbst 2009 den Leitzins praktisch auf Null gesenkt. Dies führte in der Folge nochmals zu einem starken Rückgang der Hypothekarzinsen. Und das tiefe Zinsumfeld v.a. dann auch nach 2009 hat der Kauflust enormen, positiven Schub verliehen, die bis heute ungebrochen ist. Im heutigen Zinsumfeld vergeben die Banken Liborhypotheken von deutlich unter 1% und bei langfristig angebundenen Festhypotheken, beispielsweise 15 Jahre, für knapp unter 2%.
Das freut natürlich die Privathaushalte und Kreditnehmer. Die tiefen Zinsen attraktivieren den Kauf von Wohneigentum und vergünstigen die Wohnkosten. In der Regel sogar so, dass das selbstbewohnte Eigentum deutlich günstiger zu stehen kommt als Mieten. Die Quote des frei verfügbaren Einkommens erhöht sich und entlastet die privaten Haushalte. Dies wiederum hat einen positiven Effekt auf das Konsumverhalten, was wiederum die gesamtwirtschaftliche Nachfrage stimuliert, was schliesslich zu einem Anstieg des Bruttoinlandprodukts führt (mindestens aber stabilisiert). Dieses Verhalten ist vermutlich der wesentliche Grund dafür, dass wir die jüngste Krise, relativ gesehen, gut meistern konnten.
Gerade in einer Tiefzinsphase ist aber auch Vorsicht geboten. Der Wohneigentümer muss auch bei einem Zinsanstieg in der Lage sein, seine Hypothek zu bedienen. Hier ist Eigenverantwortung des Wohneigentümers und grosse Disziplin der Banken bei der Kreditvergabe gefragt. Eine weitere Kehrseite der Medaille ist, dass es in einer länger andauernden Tiefzinsphase zu sogenannten Überinvestitionen kommt. Dazu kann es kommen, wenn das Angebot, sprich die Bautätigkeit, ausserordentlich stark ausgeweitet wird (oder aber auch am falschen Ort erfolgt).
Konsequenzen zu diesem Thema lesen Sie bitte in ca. 4 Wochen in meinem 3. und letzten Teil dieser Trilogie: «Wohnbauinvestition (in Schaffhausen)»
Autor: Simon Leu