Schöne Häuser & schicke Autos
Schöne Häuser, schicke Autos. Dies Jans Stichworte auf die Frage, warum er denn bei uns zwei Halbtage "Schnuppern" wolle. Ich freue mich, dass der aufgeweckte Sekundarschüler und seine aufgeklärten Eltern offenbar keine Vorurteile zum Maklerberuf hegen.
Noch heute und besonders vor einigen Jahren war der Ruf der Immobilienvermarkter wirklich nicht der Beste. Wie bei anderen Berufsgruppen mit ungeschützten Titeln tummeln sich in diesem Umfeld doch einige ziemlich schwarze Schafe: Jeder kann sich Immobilienmakler nennen. Offenbar schnell verdientes Geld - gekoppelt mit einigen Schlaumeiereien - schaden dem Ruf der Branche.
Als Auftraggeber ist man gut beraten, genau hinzusehen, wen man beauftragt. Die Offerte der smarten Bekanntschaft meiner Freundin Alice an einer Zürcher-Goldküsten-Cocktailparty hat beim genauen Hinsehen einige ziemlich unvorteilhafte Fussangeln aufgezeigt. Die auf den ersten Blick ganz guten Konditionen (moderate Erfolgsprovision) lässt sich der Makler mit einer saftigen passiven Erfolgsprovision (Kunde findet selbst Käufer), einem satten Stundenansatz für "Nebenleistungen", etc. abrunden. Natürlich ist dieser Anbieter auch nicht in der Schweizerischen Maklerkammer (SMK) zu finden. SMK-Mitglieder verfügen nicht nur über fundierte Ausbildungen und Erfahrung, sie würden sich auch kaum solche Frechheiten leisten. Tröstlich ist, dass sich solche Geschäftspraktiken im kleinen Schaffhausen schnell herumsprechen würden.
Jan hat anfangs bei uns eine kleine Ernüchterung erlebt, denn zunächst ist Büroarbeit angesagt gewesen: Grundlagenbeschaffung am Schreibtisch und PC, Übersicht zum Markt und Kalkulationen mittels Excel-Tabellen, handfeste eigene erste Erkenntnisse zu gestellten Themen dank gezielter Recherchearbeit. Ein realer Einblick einer Arbeitsrealität in diesem Beruf. Doch dann, endlich Jans ersehntes Highlight: die Fahrt im schicken (aber nicht ganz exklusiven) Fahrzeug der Immobilienmaklerin und Besichtigung einer ganz neuen, schönen Wohnung. Also doch! und es macht Spass und es ist toll!
Die Verabschiedung von Jan macht grosse Freude. Sein Blick, mit welchem er seine wirklich guten Tabellen und selbst recherchierten Dokumente in den Händen hält, spricht Bände: Selbst erarbeitet, macht Stolz und gibt Selbstvertrauen. Und die schicken Autos sind bald ehrlich verdient und kommen bestimmt!
Autor: Patrizia Pellandini