Pop-up in aller Munde

Ihre Hochblüte als Scherzartikel haben Schachtel­teufelchen offenbar verwirkt. In der Kreativszene begegnen wir ihnen in Form von Karten, welche durch raffinierte Falttechnik mit Dreidimensionalität beim Öffnen überraschen. Konsultiert man Wikipedia, dominiert die Bezeichnung für ein visuelles Element eines Computerprogramms, das aufspringt und dabei andere Teile überdeckt bzw. oft auch für aufdringliche Onlinewerbung steht.

Auch die Immobilienszene hat Pop-up entdeckt. Hier wird meistens eine zeitlich begrenzte Vermietung einer Ladenfläche bezeichnet. Dies als Überbrückung eines Leerstandes und zu für den Mieter attraktiven Konditionen. Es handelt sich darum in der Regel um ein kurzfristig eröffnetes, provisorisches Geschäft in leerstehenden Geschäftsräumen, oftmals im Bekleidungs- und Luxusgüterbereich.

Diese Nutzung hat etwas ausserordentlich sympathisches und verdient besonders an zentralen Lagen einer gebührenden Aufmerksamkeit: Die unglaubliche Tristesse der gähnenend leeren Geschäfte ist unbeschreiblich schädigend für eine Einkaufs- und Flanierzone. Ein Pop-up-Store hilft bei der Überbrückung dieser imageschädigenden Situation und belebt das Stadtbild.

Pop-up-Betreiber im Start-up Stadium werden mit überschaubaren Mietkosten unterstützt. Sie sorgen als Neulinge für eine hohe Medienaufmerksamkeit und rücken die Innenstadt stärker im Blickpunkt. Für das Leerstandsmanagement einer Stadt stellen Pop-up-stores somit vor allen Dingen eine Chance als schnelles und medienwirksames Hilfsmittel für eine Revitalisierung des Zentrums.

Wenn man den wachsenden Online-Handel als Realität anerkennt, könnte die Vermarktung auch durch eine erlebbare Präsentation der Produkte in dieser Form inszeniert bzw. erlebbar gemacht werden. Hohe Marketingkosten können durch diese stationäre Erlebbarkeit reduziert werden.

Für eine Innenstadt wären Handwerker, Kreative und Kunstschaffende eine besonders interessante Zielgruppe. Ein Arbeitsort mit möglichst geringer Miete, die Schaffung und die Präsentation des Produktes finden vor Ort zu den Ladenöffnungszeiten statt. Das Flanier- und Einkaufserlebnis wird zu einem Standortvorteil des Kerns der Kleinstadt. Gleichzeitig können gerade diese Hobbykünstler und Kreative ihren Traum von einem eigenen Laden erst einmal testen. Hier können auch periphere Lagen belebt werden, da über "Mund-zu-Mund"-Propaganda für eine zusätzliche Passantenfrequenz gesorgt wird.

Durch den Motor von Pop-up-Stores kommt die Individualisierung einer Produkte- und Erlebnispalette ins Rollen, welcher Innenstädte zu neuem Leben verhilft. Wenn ein Geschäftsmodell zum laufen kommt, entwickeln sich daraus auch Langzeitmieter, welche den Kreis schliessen. Sicher enthebt dieser Ansatz kein Geschäftszentrum einer langfristigen Strategie, ist aber doch ein Modell, welches Beachtung verdient.

Autor: Patrizia Pellandini

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