Neue Visionen für unsere Innenstädte
Nicht erst seit gestern klagen Geschäfte in der Innenstadt über mangelnde Kundschaft und entsprechend magere Umsätze. Die Schuldigen sind rasch gefunden: der Onlinehandel, die deutschen Nachbarn, die üblen Vermieter mit überhöhten Mieten und überhaupt der moderne Konsument, welcher diesen Namen kaum mehr verdient.
Ist es wirklich so einfach? Tatsächlich steigen die Umsätze im Onlinehandel jährlich an und auch die verfügbaren Zahlen über Schweizer Umsätze im nahen Ausland zeigen eindrückliche Beträge. Dagegen ist kaum etwas zu machen - die Zeiten ändern sich halt und damit das Verhalten aller Kunden. Aber legen wir jetzt einfach alle die Hände in den Schoss und warten auf bessere Zeiten, welche sicher nicht mehr zurückkommen werden?
Ich plädiere dafür, dass wir die unbestrittenen Stärken unserer intakten Altstädte mit ihren Fussgängerzonen wieder mehr zur Geltung bringen. Kreativ und aktiv, kein Jammern. Der Konsument sucht ja nicht nur einen Artikel zum besten Preis, sondern auch das Shopping-Erlebnis. Dieses Erlebnis bieten unsere Städte, wenn wir alle auch etwas dazu beitragen. Klein anfangen, dafür mit Pfiff. Suchen wir nicht die Hürden, sondern packen wir an nach dem Motto. "Es ist besser, unvollkommen anzupacken, als perfekt zu zögern." Verlassen wir uns doch auf unsere Stärken und nicht auf Verbände oder Gewerbe-Vereinigungen. Denken wir doch zuerst an tolle Ideen, statt an behördliche Einschränkungen. Ein paar Ideen?
Schaffhausen ist auch eine Gartenstadt: alle Geschäfte platzieren vor ihren Schaufenstern zwei Paletten mit Rahmen und legen ein Vor-Gärtli an. Der schönste Vor-Garten wird prämiert.
Schaffhausen ist auch eine Musikstadt: an den Samstagen gibt es in jedem Geschäft irgendwo zwischen Kleiderreihen oder Schuhregalen Livemusik. Studenten, Schüler, Rentner oder einfach Hobbymusiker geben Ständchen. Kann ganz einfach beginnen.
Schaffhausen ist auch ein Atelier: in den Geschäften, bei schönem sogar draussen, stellen Maler und Künstler aller Art ihre Staffeleien auf und malen oder bildhauen. Am Ende der Saison gibt es eine Ausstellung im Museum mit Prämierung und Verkauf.
Schaffhausen ist auch eine Familienstadt: auf all den schönen Plätzen und in Höfen gibt es über den Sommer Bänke, Spielsachen, Baumstämme zum Klettern und Spielen. Dazu einen Grill fürs Picknick. Sehen und gesehen werden, Leute treffen.
Schaffhausen ist auch eine Partystadt: auf Terrassen, in Höfen und Läden gibt es Drinks, Streetfood, Tischchen und Musik und man trifft Leute. Ein eigens entwickelter Stadtplan bringt einen von "Location" zu Location.
Mehr Ideen? Oder Unterstützung? Laden Sie mich doch mal zu einem Kaffee ein und wir finden vielleicht gemeinsam weitere Ideen.
Autor: Hans Graf