Landliebe in Stein

Mögen Sie Osterfingen? Unsere Gäste müssen vor der ersten Verkostung unserer tollen Regionalweine immer eine Runde mit uns durch dieses wunderschöne Dorf mit seinen liebevoll gepflegten Bauerngärten und schönen Bäumen pilgern. Sie sind wie wir immer ganz hingerissen - und kommen immer wieder gerne.

Eine andere Erfahrung machten wir kürzlich beim Treffen in einer tollen Besenbeiz auf dem Land. Vorher ging es durch das zugehörige schmucke Dorf, welches mit seinen Riegelhäusern viel Charme ausstrahlt. Doch der erste Eindruck dieses Dorfes musste korrigiert werden. Hier macht sich ein Phänomen bemerkbar, welches sich seit einigen Jahren auch in unserem heilen "kleinen Paradies" breit macht: Umgebungsflächen der Gebäude verschwinden und müssen öden Schottergärten weichen. Trostlose Anblicke. Was soll das?

Schottergärten sind Umgebungsgestaltungen, bei welchen Steine unterschiedlicher Grösse, insbesondere Schottersteine, einen wesentlichen Anteil der Bodenbedeckung ausmachen und die Bepflanzung spärlich bis gar nicht vorgesehen ist. In der Regel wird unter solchen Flächen ein Vlies oder eine Plastikfolie verlegt, sodass möglichst wenig Unkraut wächst. Im Extremfall wird gar Spritzbeton eingesetzt.

Ein vorteilhafter Entscheid? Bei der Entscheidung für einen Schottergarten werden vor allem die verfügbare Zeit sowie finanzielle Aspekte eine Rolle spielen: Sie werden als pflegeleichte und kostengünstige Variante der Grünflächengestaltung gesehen. Auch der Wunsch nach einer sauberen und repräsentativen Umgebung könnte ein Beweggrund sein. Studien - zB der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL) - belegen hingegen, dass naturnahe Grünflächengestaltungen zwar einen differenzierten aber durchaus geringeren Pflegeaufwand bedeuten können und somit unter dem Strich auch eine kleinere finanzielle Belastung für die Besitzer.

Schottergärten zerstören die positiven Auswirkungen von Grünräumen. Für den Menschen bedeuten Grünflächen Lebensqualität wie psychische und physische Erholung, Identifikation und Gesundheit. Steinflächen lassen die Böden verarmen, Tiere und Pflanzen verlieren ihren Lebensraum. Schotterflächen versiegeln den Boden, generieren mehr Abwasser und Hitze. Sie zerstören ökologische Kreisläufe und zusätzliche Emissionen wie Lärm und Staub nehmen ohne absorbierende Pflanzen zu. Und das "Unkraut"? Moos und unerwünschtes Grünzeug breiten sich sowieso aus: Denn pflanzliches Material der Umgebung lagert sich zwischen den Steinen ab und generiert in Windeseile die nötige Humusschicht. Und nun, mit Gift dahinter?

Fazit Lernen wir wieder vermehrt langfristig zu denken und zu handeln. Mit solch unüberlegten Verwüstungen schaden wir uns und der Umwelt. Gesundheitlich und wirtschaftlich. Unsere schönen Landgemeinden bieten Familien ein erschwingliches Zuhause im Grünen, Gemeinsinn und vieles mehr. Was gibt es Schöneres als seine Kinder in einer intakten und gesunden Umwelt aufwachsen zu sehen. Pflanzen wir noch heute einen Baum - vielleicht gar eine Linde, welche uns zu dieser Jahreszeit mit ihrem wohltuenden Duft umschmeichelt.

Autor: Patrizia Pellandini

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