Gier? Kenne ich nicht...
Habe einmal mehr jemanden kennen gelernt, der sein Haus selbst verkaufen wollte. Hat er tipptopp gemacht: Inserat in der NZZ, sein Haus ist schliesslich eine richtige Villa und verdient ein teures Inserat. Noch am Erscheinungstag hat sich ein freundlicher Italiener gemeldet und sehr starkes Interesse gezeigt. Der Italiener wollte eigentlich gleich in die Schweiz reisen und das Haus anschauen, jedoch hat er so viele Termine, dass das grad nicht drinliegt. Er würde jedoch gerne gleich 100'000.—anzahlen, damit er das Haus auf sicher bekommt. Ob es denn möglich wäre, dass mein Bekannter kurz nach Mailand reisen könnte, um die Anzahlung in Empfang zu nehmen? Kein Problem, als Rentner hat Mann Zeit. Vor der Abreise erhält mein Bekannter noch einen Anruf. Ob er 20'000.—Franken in bar mitnehmen könnte, weil der Italiener nächstens Franken brauche und keine Zeit mehr habe, zur Bank zu gehen und ausserdem würde er ihm einen vorzüglichen Wechselkurs anbieten. Keine Ursache, denkt mein Bekannter, kann ich gerne machen, und nimmt den Betrag gleich in die Manteltasche.
In Mailand hat man in der Bar eines gediegenen Hotels im Zentrum abgemacht. Pünktlich erscheint der freundliche Italiener, in Begleitung seines Assistenten. Vorab wechseln die Franken den Besitzer. Der "Italiener" zählt unter dem Tisch den Betrag gleich durch, knallt das Bündel dann auf den Tisch, weil er festgestellt hat, dass das nur Falschgeld ist. Hat mein Bekannter Falschgeld mitgenommen? Nein. Aber unter dem Tisch hat der Italiener rasch das Bündel ausgetauscht. So sitzt mein Bekannter also mit Falschgeld da. Der Italiener greift schon zum Telefon, um die Gardia di Finanza anzurufen und den Schweizer anzuzeigen. Ausser dieser geht zum nächsten Automaten und holt richtiges Geld raus. Und so erhält der Italiener noch einmal 20'000.—oder was der Automat pro Tag hergibt…
So oder ähnlich passieren jeden Tag Fälle. Es handelt sich um sog. "Rip-Deals". Man kennt diese längst und trotzdem fallen jeden Tag gierige Menschen darauf rein, auch aus unserer Region. Meist ist es ihnen dann so peinlich, dass sie auf eine Anzeige verzichten…
In diesem Sinne: Frohe Festtage!
Autor: Hans Graf