Digitale Zeiten in der Immobilienbranche
Alles spricht von der digitalen Zukunft. Schlagworte, wie: Industrie 4.0 oder Big Data oder Internet-of-Things und so weiter. Wenn auch nur wenige wirklich wissen, worum es sich handelt, darüber wichtig sprechen kann bald jeder. Aber wie würde ein Mietverhältnis, als Beispiel, in der digitalen Welt tatsächlich aussehen?
Mietobjekte findet man heute fast nur noch im Internet auf den bekannten Plattformen. Täglich sind mehrere Zehntausend Objekte im Angebot. Das ist ja noch einigermassen digital. Dann wird es aber bereits herkömmlich: Interessent gibt seine Adresse ein und zeigt Interesse an einer Wohnung. Vermieter erhält E-Mail. Vermieter sendet Informationen zur Wohnung an Interessent, per E-Mail (früher per Post). Interessent meldet sich zurück und will Wohnung sehen. Beide machen einen Besichtigungstermin ab. Termin findet statt: Vermieter ist dort und zeigt dem Interessent die Wohnung. Interessent nimmt Bewerbungsformular mit, füllt es aus und sendet es zusammen mit einem Betreibungauszug an den Vermieter. Dieser checkt das Formular, holt Referenzen ein und teilt dem Interessenten mit, dass er die Wohnung erhält. Vermieter macht Mietvertrag, sendet diesen dem Mieter. Dieser unterschreibt und sendet Vertrag zurück. Vermieter eröffnet Kautionskonto und erfasst Mieter im System. Am Tag des Bezuges findet die Uebergabe der Wohnung statt: Vermieter ist mit Mieter vor Ort. Beide machen ein Protokoll und übergeben Schlüssel und Fernbedienungen etc. Beide gehen danach ihrer Wege.
Von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Wohnungsübergabe ist weit und breit nichts von digitaler Zukunft zu sehen, wenn auch einzelne Arbeiten elektronisch, statt von Hand ausgeführt wurden.
Digital würde das vermutlich so aussehen: Mietinteressent findet Objekt im Internet. Online macht er eine virtuelle Besichtigung der Wohnung. Parallel präsentiert ein Tool die Umgebung, die Nachbarn, die Schulen, Strassen und Handyantennen etc. Der Mieter entscheidet, dass die Wohnung passt. Er öffnet ein App und erfasst seine Daten. Diese gehen online an den Roboter des Vermieters. Dieser prüft die Vollständigkeit der Daten, holt selbständig eine aktuelle Betreibungsauskunft ein und überprüft im Internet alles rund um diesen Interessenten. Der Roboter entscheidet, ob der Interessent genügend qualifiziert, um die Wohnung zu erhalten. Wenn ja, macht der Roboter den Mietvertrag und schickt diesen dem Interessenten ins Mail-Postfach. Nun unterschreibt der Mieter per Fingerabruck oder elektronischer Unterschrift und der Mietvertrag ist rechtskräftig. Am Tag der Uebergabe kommt der Mieter zur Agentur, holt die Schlüssel ab und ein Login. Mittels diesem Login gelangt der Mieter auf die Protokollseite, füllt das Protokoll online aus, unterschreibt und schickt es an den Roboter. Fertig.
Während der Mietdauer findet der Mieter auf einem App alles zu seiner Wohnung. Von Grundrissen bis zu allen Handwerkern bei Schäden. Die Handwerker wissen dann bereits, in welcher Wohnung welches Modell des Wasserhahns kaputt ist und können gleich den richtigen einbauen, ohne vorher hinzufahren, um zu prüfen, welches Fabrikat denn da verbaut wurde. Und der Mieter erhält einen laufenden Vergleich seiner Wohnung mit vergleichbaren Wohnungen, wo er sieht, ob er sparsam wohnt oder nicht.
Ungefähr so müsste es in der digitalen Welt gehen. Mal sehen.
Autor: Hans Graf