Das Dorf als Sehnsuchtsort
Leben Sie in der Stadt? Im Stadtquartier? Und Sie lesen regelmässig Magazine über das Landleben? Dann gehören Sie zu dem Millionen Städtern, welche vom Dorfleben träumen. Aber so ganz aufs Dorf ziehen mögen Sie dann auch nicht. Dafür machen Sie jetzt "urban gardening", indem Sie auf Ihrem Flachdach ein paar Blumenbeete eingerichtet haben und täglich frischen Salat ernten. Oder Sie machen jetzt "urban beekeeping" und haben dazu selbst eine Holzkiste gebastelt und ein Bienenvolk gekauft und hoffen auf eigenen Honig am Ende des Sommers. Das alles ist ja gut und recht und macht Spass. Steckt dahinter vielleicht doch eine Art Sehnsucht nach dem Dorf?
Ich hätte da einen anderen Vorschlag: Kaufen Sie vorab nur noch Produkte vom Bauernhof der Region. Oder vom Wochenmarkt in Schaffhausen. Gerne Bio. Dann holen Sie sich Ihr Fleisch für die ganze Saison ebenfalls nur noch beim Metzger im Quartier oder im Dorf, nicht beim Grossverteiler. Ausserdem begeistern Sie Ihre Kinder mit einem Besuch auf einem Bauernhof, damit sie lernen, wo die Milch herkommt und das Yoghurt und der Käse. Und wie der Bauer Heu macht für das Meersäuli. Auf diese Art wird die ganze Familie mit dem Dorf-Virus angesteckt, hoffentlich. Nun könnten Sie eigentlich gleich aufs Dorf ziehen. Unsere Dörfer brauchen junge Menschen, denn es sind viele nach der Ausbildung weggezogen und fehlen nun. Junge Menschen würden auch die Kindergärten und Schulen wieder beleben - viele sind gefährdet. Und dann gibt es noch Dorfvereine mit Nachwuchssorgen. Gehen Sie mal hin in die Männerriege, das macht richtig Spass. Oder gründen Sie halt eine Gruppe für sportliche Aktivitäten für nur Zugezogene, Hauptsache Spass und etwas gemeinsam unternehmen. Sie werden sehen, unsere Dörfer funktionieren und bieten genau das, was uns Städtern mehr und mehr abgeht: Solidarität, Generationenwohnen, Gemeinschaftssinn, Heile Welt und ausserdem: zahlbare Preise. Pfeifen Sie auf die Meinung Ihrer städtischen Kollegen und beginnen Sie zu geniessen.
Autor: Hans Graf