Das alte Haus von Rocky Docky wäre für viele erschwinglich, vielleicht aber zu teuer?

Die Immobilienpreise sind im letzten Jahrzehnt auf ein rekordhohes Niveau gestiegen - auch hier in Schaffhausen. Die Lohnentwicklung aber, gerade auch beim Mittelstand, kann mit der Preisentwicklung auf dem Immobilienmarkt nicht (mehr) Schritt halten. In Kombination mit den verschärften Finanzierungsrichtlinien der Banken, insbesondere die des erhöhten Kapitalbedarfs, rückt für viele Familienhaushalte der Wunsch nach Wohneigentum in weite Ferne.

Die Suche nach Alternativen hat begonnen.

Der Immobilienmarkt ist sehr stark fragmentiert- geographisch, nach Marktsegment aber auch nach Preisklassen. Wie lassen sich nun in einem hochpreisigen Immobilienmarkt dennoch zahlbare Häuser und Wohnungen finden? Ganz einfach! Die ursprünglichen Wunschvorstellungen werden nach unten korrigiert. Das heisst, erschwingliche Alternativen werden gefunden, wenn der Radar auf Rock Docky Häuser, kleinere und vielleicht dezentralere Objekte ausgeweitet wird. Aber auch hier greift das Kausalitätsprinzip: Keine Wirkung ohne Ursache!

Wenngleich im oberen Preissegment heute bestenfalls eine Konsolidierung der Preise feststellbar ist, um nicht zu sagen, dass durchaus schon Preiskorrekturen stattgefunden haben, so gegenläufig sieht die Entwicklung im Tiefpreissegment aus. Hier sind die Preise nach wie vor stark steigend. Dafür gibt’s ein paar gute Gründe. Im unteren Preissegment sind es sehr oft ältere mit Investitionsbedarf und kleinere Objekte. Das Käuferpotenzial im Niedrigpreissegment ist sehr gross, weil tiefpreisige Objekte für sehr viele Käufer finanzierbar ist. Das heisst, eine breite Käufergruppe trifft auf ein knappes Angebot. Alleine dieser Umstand befeuert nachhaltig die Preise in diesem Segment.

Es gibt aber noch weitere Gründe. Oft scheitert eine Immobilienfinanzierung nicht an der Tragbarkeit. Der Hund liegt darin begraben, dass oft die Eigenmittel für das Wunschhaus fehlen. Nun ist es aber so, dass es Käufer gibt, die einen Stock ein Eigenmittel verfügbar haben, dieser aber nicht vollends ausreicht für das eigentliche Wunschobjekt. Das Potenzial dieser, die nun über die oben genannten Ausweichoptionen nachdenken wie günstiger, kleiner, älter oder sich einfach in die 'Pampas' zu verschieben ist gross. Das bedeutet, dass sich der Kreis der Nachfrager im tieferen Preissegment nochmals vergrössert, mit dem Effekt von weiteren Preissteigerungen.

Damit aber nicht genug. Aus Mangel an alternativen Investitionsmöglichkeiten dringen weitere Marktakteure in das tiefere Preissegment ein: Investoren, die, v.a. bei älteren Häusern (oft bei Grundstücken, die unternutzt sind) die Option eines Rück- und Neubaus in Betracht ziehen. Diese Investoren sind oft auch bereit, ein paar Franken mehr zu bezahlen, als das es der einfache Sparer kann.

Diese Vorgänge induzieren nun weitere Preissteigerungen im unteren bis mittleren Preissegment. Und ich wage zu behaupten, dass heute bereits viele Objekte in der Tiefpreiskategorie 'überzahlt' werden. Aber, liebe Leser: Diese Preisentwicklung ist nicht per se ein Problem - solange diese die relative Knappheit der verfügbaren Objekte reflektiert. Und wenn Sie nun gerade ein Rocky Docky Haus gekauft haben und dafür verhältnismässig tief in die Taschen greifen mussten, relaxen Sie! Den vermeintlich hohen Preis, den Sie bereit waren zu bezahlen relativiert sich, wenn Sie eine sanfte Hand bei der Renovation anlegen und Sie mindestens die nächsten 20 Jahre im Haus verbleiben. Also kein Grund zur Sorge.

Autor: Simon Leu

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