Bessere Nutzung von Zentrumsliegenschaften

Bedingt durch einen scheinbar unaufhaltsamen Strukturwandel im Detailhandel, sind in den letzten Jahren immer mehr Geschäftsflächen im Zentrum unter Druck geraten. Diese Leerstände im Ortskern belasten nicht nur das Portemonnaie der Hauseigentümer, sondern auch das Ortsbild bzw. den Ortscharakter.

Feststellbare Trends und bauliche Freiräume zeigen jedoch Wege aus dieser Katzenjammer-Misere: Berücksichtigt man die intakte, wachsende Nachfrage nach Wohnraum in der Altstadt, lohnt es sich, bauliche Massnahmen zu prüfen, um die Liegenschaft ökonomisch neu auszurichten. Das Augenmerk verschiebt sich in diesem Fall auf das Potential und die Vermiet­barkeit der oberen Etagen. Der Zeitpunkt für Modernisierungen und Instandsetzungen ist auch angesichts der aktuellen Zinssituation geeignet. Für das Ausmass der Investitionen und Positionierung des Angebotes ist vor allem die Lage massgebend. Eine gesunde preisliche Durchmischung der verfügbaren Wohnungen täte dabei der Stadt gut.

Seit der Wohnraum unter den Ziegeln nicht mehr in die Ausnützungsziffer eingerechnet wird, kann zudem der Ausbau des Estrichs interessant sein und bedeutet eine Wertvermehrung. Dabei mutiert die bescheidene frühere Dienstbotenbleibe und vernachlässigte Gerümpelkammer zur gefragten, charaktervollen Wohnung. Aufwand und Kosten für den Dachausbau können hier beachtlich sein und Luxusausbauten sind eher im Bereich private Liebhaberobjekte einzuordnen. Zweifelsohne sind Dachausbauten, in Sachen Isolierung und Licht, Zuleitungen und Zugänge eine grössere Investition, welche gut geplant und gerechnet sein will. Geschickt ist, wer für sein Vorhaben um seine Altstadtliegenschaft frühzeitig nicht nur einen ausgewiesenen Architekten, sondern auch die Baubehörden, wie Feuerpolizei und Denkmalpflege, einbezieht. Insbesondere Dachfenster, Lukarnen und Gauben sind bewilligungspflichtig und können denkmalpflegerischen Einschränkungen unterliegen.

Fazit: Wird neu auf die oberen Etagen als Renditeschwerpunkt fokussiert, weicht der Ertragsdruck auf die Geschäftsfläche, welche bis vor einigen Jahren für viele Hauseigentümer noch die Funktion als Haupteinnahmequelle einnahm. Der aktuelle labile Zustand wird durch das Wohnen in den oberen Geschossen stabilisiert. Im Idealfall finden identitätsstiftende, bzw. individuell geführte Geschäfte und Nutzungen ihren Platz, welche die Altstadt als Begegnungs- und Einkaufsort beleben und bereichern. Dadurch wird wiederum das Wohnen im Ortskern gestärkt und als Zentrum mit seinen vielfältigen Funktionen erhalten.

Autor: Patrizia Pellandini

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