Kein-Titel-111
Gehören Sie auch zur Generation, welche einst stolz einen Radiowecker sein eigen genannt hat? Irgendwann ist im Laufe der Diskussion um Elektrosmog das Teil verschwunden und wir Normalos haben uns mit dem mehr oder weniger angenehmen Klingelton des Weckers oder iPhones zum Aufstehen begnügt. Die Werbung macht es vor: Im Zuhause der Generation Smartphone sind wir Ewiggestrige. Knapp eine Stunde nachdem die Heizung hochgeschaltet hat, geht um 6:30 Uhr das Licht im Schlafzimmer an, die Kaffeemaschine nimmt ihren Betrieb auf und alles ist beim Aufstehen schon wohnlich. Zum passenden Zeitpunkt laufen die Nachrichten und die hauseigene Wetterstation gibt Empfehlungen zur Kleidung, die andere Anzeige gibt Bescheid über den Fahrplan des öffentlichen Verkehrs. Dies und vieles mehr was uns aus den von uns mit Begeisterung geschauten Science-Fiction-Filmen bekannt ist, ist heute als Smart Home bekannte Wirklichkeit.
Begriff Gemäss Wikipedia werden mit Smart Home bzw. intelligentes Wohnen technische Verfahren im privaten Wohnbereich bezeichnet, bei denen Geräte eingesetzt werden, die aufgrund der Datenvernetzung und Fernsteuerbarkeit zusätzliche Funktionen bieten. Das heisst, dass die Haustechnologie über ein Smartphone, Tablet oder PC steuer- und kontrollierbar wird.
In der Praxis sind dies:
- Haustechnik (z.B. Lichtsteuerung, Alarmanlagen, Heizungs- und Jalousien-/Rollladen-Steuerungen)
- Smart Metering (elektrische Energie-, Wasser-, Gas- und Wärmezähler)
- Elektrohaushaltsgeräte (Herd, Kühlschrank, Waschmaschinen, usw.)
- Multimedia-Geräte (Fernseher, Videorekorder, Tuner, zentraler Server, etc)
- Internet
Was sind die Herausforderungen im Umgang mit dieser Technologie? Die Aussicht, dass man jederzeit von unterwegs Bescheid weiss, über den Inhalt des Kühlschranks, das sturmfrei genutzte Zuhause, den Energieverbrauch usw. den Backofen anwerfen, die Heizung regulieren und vielleicht auch schon den Roboterstaubsauger eine Runde drehen lassen kann ist zugegebenermassen ganz verlockend. Vieles ist möglich, doch wirklich Standard ist noch weniges. Die Installationen sind zum Teil sehr komplex und teuer. Auch die Fehlerhäufigkeit zeigt an, dass vieles noch in den Kinderschuhen steckt. Bei der Steuerung von Licht, Heizung und Alarmanlage ist das Smart Home hingegen sehr weit fortgeschritten. Je nach Person und Situation kann das intelligente Eigenheim also durchaus zu einer Bereicherung und Entlastung führen.
Zu Recht frägt man sich auch, was für Risiken damit verbunden sind:
- Was passiert, wenn ein System wegen technischem Versagen ausfällt? Kommt man noch in sein eigenes Haus? Was funktioniert noch in den eigenen vier Wänden?
- Wie hoch ist das Risiko von kriminellen Cyberangriffen durch Hacking oder Sabotage?
- Was passiert, wenn der Datenschutz nicht gewährleistet werden kann und Daten verlorengehen, gestohlen werden oder nicht gesetzeskonform bearbeitet werden?
Herausforderung des Marktes: Kompatibilität der Systeme
Der erste Knackpunkt für die ganz grosse Ausbreitung dürfte in den verschiedenen Standards der Vernetzung liegen: Nicht alle Geräte schaffen es, verlässlich miteinander zu kommunizieren.
Es ist unschwer zu erraten, dass ein ganz grosser Kampf um die Vorreiterrolle in den Standards stattfindet: Telekommunikation und Industrie haben die Entwicklungen im Smart-home-Bereich als potenten Wachstumsmarkt erkannt. Vom voll automatisierten Zuhause sind wir somit noch weit entfernt.
Doch unsere Kids, welche uns heute mit ihren Computer-Spielen manchmal ganz schön auf dem Wecker gehen, sind die, welche in diese Technologie hineinwachsen. Falls also auf der Weihnachtsliste eine VR-Brille aufgeführt ist: Nicht aufregen sondern für morgen sorgen und dem Wunsch nachgeben.
Autor: PATRIZIA PELLANDINI